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Eco-Schools – Engagement für eine nachhaltige Welt

Eco-Schools ist ein Bildungsprogramm für Schulen, die sich für ein nachhaltiges Schulleben einsetzen möchten. Für ein bis zwei Jahre beschäftigen sich die teilnehmenden Schulen mit einem von sechs Nachhaltigkeitsthemen und setzen konkrete Massnahmen um, um die Bildung für Nachhaltige Entwicklung in den Schulalltag zu integrieren und ihren ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Das Team von «J’aime ma Planète» begleitet die Projekte und unterstützt mit einer Planungssitzung, einem Einführungsworkshop, regelmässigen Beratungsgesprächen, Materialien zu den Methoden und Unterrichtsmaterial zu verschiedenen Projektthemen. Weiter werden ausserschulische Lernorte vermittelt oder passende Workshops von externen Personen. 

Annabelle Jaggi leitet das Eco-Schools-Programm in der Deutschschweiz. Nach dem Geografiestudium und Praktika in verschiedenen NGOs in den Bereichen Bildungsarbeit und Nachhaltigkeit hat sie ihr Weg zu «J’aime ma Planète» geführt. Es begeistert sie, sich mit der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft auseinanderzusetzen, Schulen in ihrem Nachhaltigkeitsprozess zu begleiten und mit Kindern und Erwachsenen zusammenzuarbeiten.

Frau Jaggi, woher kommt Ihre Leidenschaft für den Umweltschutz?

Schon als Kind war ich gerne draussen – und begeistertes Pfadi-Mitglied. Später, im Studium, setzte ich mich intensiv mit Mensch- und Umweltthemen auseinander und spürte dabei: Das passt zu mir!  

Warum soll Nachhaltigkeit einen festen Platz in der Schule einnehmen? Warum soll Nachhaltigkeit einen festen Platz in der Schule einnehmen?

Die Schule bietet einen sicheren Raum, in dem Umwelt- und Gesellschaftsfragen erforscht und mitgestaltet werden können. Es müssen nicht die grossen Menschheitsfragen angegangen werden, sondern die Schülerinnen und Schüler können Nachhaltigkeitsthemen in ihrem Alltag entdecken und Veränderungen für ein nachhaltigeres Schulleben konkret ausprobieren – zusammen mit der Schulgemeinschaft und dem Umfeld. Mit den Kompetenzen, die sie dabei erwerben, können sich die Kinder in ihrem späteren Leben in die Gesellschaft einbringen.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren bezüglich Klimaschutz verändert? Sind die Jugendlichen heute sensibilisierter oder nahm der Konsumhunger eher zu?

Mein Eindruck ist, dass die Kinder und Jugendlichen oft schon ein Vorwissen oder Neugier in Bezug auf Mensch-Umwelt-Beziehungen und Nachhaltigkeitsthemen mitbringen. In welchem Bereich dieses Vorwissen oder diese Neugier liegt, ist individuell. Die einen interessieren sich mehr für Umwelt- oder Naturthemen, die anderen mehr für soziale Fragen. Gerade bei den Jugendlichen spielen Fragen nach sozialer Gerechtigkeit oft eine grosse Rolle.

Was verändert sich an einer Schule, wenn sie sich über ein bis zwei Jahre intensiv mit einem Nachhaltigkeitsthema auseinandersetzt?

Zu Beginn eines Eco-Schools-Projekts wählen die Schulen eines der sechs Nachhaltigkeitsthemen: Ernährung, Biodiversität, Energie, Wasser, Citizenship und Abfall. In einer Standortbestimmung ermitteln sie, wie sie zu dem Thema unterwegs sind. Daraus erschliesst sich, wo ein Handlungsbedarf besteht. Ein Eco-Komitee – bestehend aus Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen sowie teilweise auch der Schulleitung und/oder Eltern – setzt sich dafür ein, dass das Thema im Schulhaus und in der Umgebung erfahrbar gemacht wird. Das Eco-Komitee initiiert zum Beispiel Massnahmen, um die Mittagsverpflegung ausgewogener zu gestalten, naturnahe Flächen auf dem Schulareal anzulegen oder gemeinsam Pausenregeln für ein friedliches Zusammensein einzuführen. Die praktischen Massnahmen werden im Unterricht vertieft. Am Ende des Projekts sind die Schulen stolz auf die sichtbaren Veränderungen, die im Schulalltag stattgefunden haben. Sie erfahren, dass sie als Schulgemeinschaft etwas erreichen können. Es geht um eine langfristige Ausrichtung – es gibt z. B. Schulen, die nacheinander alle der sechs Nachhaltigkeitsthemen in Projekten bearbeiten und so ihren Weg zu einer nachhaltigeren Schule Schritt für Schritt fortsetzen.

Die Projekte werden fächerübergreifend durchgeführt. Können Sie ein Beispiel dafür geben, wie ein Thema in verschiedenen Fächern aufgegriffen werden kann?

Eine Primarschule hat sich z. B. mit dem Thema Wasser auseinandergesetzt. Die Schülerinnen und Schüler erforschten den Wasserkreislauf an einem Bach und besuchten eine Abwasserreinigungsanlage und eine Ausstellung zum Thema Natur und Mensch. Im Deutschunterricht beschäftigten sie sich mit Sachtexten zu verschiedenen Wasserarten und im Matheunterricht berechneten sie den indirekten Wasserverbrauch von Lebensmitteln. Im Kunstunterricht entstanden Fastnachtskostüme zum Thema Wasser und im Musikunterricht komponierten die Schülerinnen und Schüler Melodien mit Wassergeräuschen. Am Mittagstisch wurden die Menüs so gestaltet, dass sie einen tiefen Wasserfussabdruck haben. Der Wert der Ressource Wasser wurde für die Kinder erlebbar gemacht und sie entwickelten einen verantwortungsvollen Umgang damit. Durch die verschiedenen Fächerperspektiven fand jedes Kind seinen persönlichen Zugang.

Gibt es etwas, was Schulen erst im Prozess merken – eine Erkenntnis, die viele überrascht?

Viele Schulen merken, dass es sich lohnt, den Kindern und Jugendlichen viel Mitspracherecht zu geben. Wenn sie ihre Ideen einbringen dürfen, funktioniert das meistens sehr gut und stärkt ihre Eigenverantwortung. Die Eco-Komitees merken oft, dass sie nicht alle Schulmitglieder gleichermassen für das Vorhaben begeistern können und dass auch dies Teil des gemeinsamen Lernprozesses ist: Wie in der Gesellschaft geht es auch als Schulgemeinschaft darum, auszuhandeln, wie man zusammen nachhaltiger unterwegs sein möchte.

Welche Kompetenzen, Werte oder Haltungen nehmen Kinder und Jugendliche aus dem Programm mit?

Die Schülerinnen und Schüler sind bei jedem der Projektschritte aktiv dabei. Kinder ab der Primarschule sind im Eco-Komitee vertreten. Sie bestimmen mit, welches Thema bearbeitet werden soll. Manchmal führen sie zu Beginn eines Projekts eine Umfrage durch, um zu erfahren, welche Themen bei ihren Klassenkameradinnen und Klassenkameraden auf Interesse stossen. Das Eco-Komitee stellt konkrete Ideen vor, die mit den Klassen umgesetzt werden. Je älter die Schülerinnen und Schüler sind, desto stärker sind sie auch am eigentlichen Projektmanagement beteiligt, etwa an der Erstellung des Projektplans und der abschliessenden Evaluation.

Alle Kinder vertiefen im Prozess ihr fachspezifisches und fächerübergreifendes Wissen zu ihren Projektthemen und verstehen, warum diese für die Nachhaltigkeit relevant sind. Sie erkennen, wie wichtig es ist, zusammenzuarbeiten und im Dialog mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren zu sein. Besonders bedeutsam: Die Schülerinnen und Schüler lernen, Mitverantwortung für die Gestaltung ihrer Schule zu übernehmen und erleben Selbstwirksamkeit.

Am Schluss des Projekts kreiert die Schule einen eigenen Eco-Code. Was bedeutet das genau?

Ein Eco-Code kann vieles sein; ein Kunstwerk, ein Lied, ein Motto oder ein Maskottchen. Es geht darum, dass die Schulgemeinschaft am Schluss noch einmal zusammenkommt und sich überlegt, wie sie ihr Projekt kreativ sichtbar machen möchte. Eine Schule hat zum Beispiel zu einem Festival eingeladen und verschiedene nachhaltige Mahlzeiten serviert, die in einem Kochbuch gesammelt wurden. Dieses Kochbuch wurde zu ihrem Eco-Code. Es gibt auch Schulen, die sich selbst ein Motto geben, das über ihre ganzen Nachhaltigkeitsbestrebungen hinweg gültig ist und sie bei all ihren Projekten begleitet.

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung, die die Schulen am Ende des Projekts erhalten können?

Die Auszeichnung würdigt die Mitarbeit aller Beteiligten. Sie ist ein Symbol für die Ausrichtung der Schulen an der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Die Auszeichnung bedeutet: «Wir sind eine Eco-School und wir arbeiten gemeinsam daran, eine nachhaltige Schule zu werden.»

«Jede Schule eine Eco-School»; wäre das Ihr Traumziel oder geht es um etwas anderes?

Mein Wunsch ist, dass es an jeder Schule möglich ist, dass alle Schulmitglieder das Schulleben und den Austausch mit ihrer Umwelt aktiv mitgestalten können. Es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie das umgesetzt werden kann. Für uns ist es natürlich wunderbar, wenn wir eine Schule auf diesem Weg im Rahmen des Eco-Schools-Programms unterstützen und begleiten können.