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Heterogenität als Chance und Herausforderung

Die Gemeinde Glarus findet Antworten auf verschiedenen Ebenen

Die Einführungsklasse
Die Einführungsklasse wird mehrheitlich von fremdsprachigen Kindern mit besonderem Förderbedarf besucht. Hier bekommen sie mehr Zeit, um Grundlagen handlungsorientiert zu erarbeiten. Das Pensum der Einführungsklasse teilen sich zwei Lehrpersonen mit Zusatzausbildung als heilpädagogische Fachlehrpersonen.

Auch der oft fehlenden Selbst- und Sozialkompetenz wird grosse Bedeutung beigemessen: Die Kinder müssen sich selber organisieren, selbstständig an etwas arbeiten und die vorgegebene Ordnung beachten. «Trotz der Heterogenität in den Klassen lernen oft alle am Gleichen», so die beiden Lehrerinnen. Dank ihrer Erfahrung haben sie viele Unterrichtseinheiten selbst erarbeitet, die sie im Umgang mit der Heterogenität unterstützen.

Sind die notwendigen Grundlagen geschaffen, wird an den Kompetenzen nach Lehrplan 21 gearbeitet. Nach zwei Jahren wechseln die Kinder in die zweite Regelklasse. Die meisten Lernenden, welche die Einführungsklasse besucht haben, wechseln ohne grosse Defizite in die Regelklasse und brauchen wenig Unterstützung aus dem Grundangebot der Sonderpädagogik.

 

 

Förderzentrum an der Oberstufe Buchholz
Die Oberstufe Buchholz hat im Schuljahr 2011/12 auf die integrative Schulung umgestellt. Seit August 2016 sind die Oberschüler und potenziellen Kleinklässler in die Realklassen integriert. In diesem Zusammenhang wurde ein Förderzentrum eingerichtet. Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen werden in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen schulischer Heilpädagogik, Klassen- und Fachlehrpersonen, Berufswahlcoach, Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Schulsozialarbeit unterstützt. Integriert ist auch der Bereich «Studium und Aufgabenhilfe», wo Hausaufgaben unter Aufsicht und Hilfe in einem ruhigen Umfeld erledigt werden können.

«Das Projekt ‹Förderzentrum› ist einzigartig im Kanton Glarus», führt Martin Bilger aus. «Mit grossem Elan und Engagement gehen die Lehrpersonen an die Aufgabe heran. Es braucht ein hohes Mass an Koordination und Zusammenarbeit, um die zahlreichen Bedürfnisse der Lernenden zu erfassen und passende Förderung anzubieten.» Er ist überzeugt, das Projekt sei gut unterwegs, auch wenn nicht alles perfekt laufe. Es sei kein geschlossenes System, denn die Lehrpersonen seien auch integrativ in den Klassen im regulären Unterricht tätig. Studium, Berufsintegration, DaZ und heilpädagogische Arbeit seien miteinander verwoben.

Martin Bilger betont, dass die Solidarität unter den Schülerinnen und Schülern ein grosses Anliegen sei. Er ist überzeugt, dass Selbstachtung und gegenseitige Anerkennung helfen, die Lernniveaus, Lernstile und Lerntempi, die verschiedenen Verhaltensweisen und Voraussetzungen in einer heterogenen Klasse zu verstehen und zu akzeptieren. Dies erfordere ein grosses Mass an Toleranz. «Deshalb ist die Förderung der Solidarität eine zentrale Aufgabe der Integration», ist Martin Bilger überzeugt.

 

 

Heterogenität aus Sicht der Schulorganisation

Martin Bilger ist Hauptabteilungsleiter «Bildung und Familie» der Gemeinde Glarus. Die Schule Glarus hat auf die Herausforderungen der Heterogenität mit verschiedenen Antworten reagiert.
«Seit Jahren nimmt die Heterogenität in den Klassen zu. Die Kinder sind sehr unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung. Der Unterschied kann mehrere Jahre betragen. Es braucht Strategien, um den Unterricht so zu organisieren, damit Lernfortschritte für alle möglich werden. Der Umgang mit Heterogenität ist eine tägliche Herausforderung. Sie bietet gleichzeitig auch die Chance, eine gleichberechtigte Bildung für alle anzustreben. Es geht um die positive Grundhaltung, um die Bereitschaft der Lehrenden, unterschiedliche Kinder zu akzeptieren. Denn alle wissen, dass der Unterricht mit zunehmender Heterogenität noch anspruchsvoller wird. Als Organisation brauchen wir passende Lösungen. In Glarus bieten wir neben den bekannten Fördermassnahmen der Sonderpädagogik und dem Zusatzunterricht für Fremdsprachige auch Besonderheiten. Wir führen eine Spezialklasse für Fremdsprachige mit fehlenden Deutschkenntnissen. Weiter haben wir eine zweijährige Einführungsklasse für jene Kinder, welche mehr Zeit oder einen anderen Zugang zu den Inhalten brauchen. An der Oberstufe Buchholz haben wir seit 2015 ein Förderzentrum etabliert, welches sich um die speziellen Lernbedürfnisse auf der Sekundarstufe kümmert.»

Heterogenität aus Sicht der Lehrperson

Vom November 2019 bis Juli 2020 arbeitete Sabrina Menzi in der Deutsch-Intensivklasse und erlebte als junge Lehrerin täglich die Herausforderungen der Heterogenität.
«Ich unterrichtete Kinder, welche frisch zugewandert waren. Entsprechend diesem Hintergrund besassen sie keine Deutschkenntnisse, was das Unterrichten nochmals erschwerte. Zudem gab es einige Quereinsteiger, Kinder die während des Jahres in unsere Klasse kamen. Mit diesen Kindern musste bei null begonnen werden. Zudem waren die sprachlichen Fortschritte von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Dies hatte zur Folge, dass jede Schülerin und jeder Schüler individuelle sprachliche Fortschritte machte und dadurch auf einem anderen Wissensstand war. Während dieser Zeit erfuhr ich das Ausmass der Heterogenität in neuem Mass. Obwohl ich eine kleine, gut überschaubare Klasse hatte, galt es, für jedes Kind einzelne Unterrichtsinhalte, basierend auf seinem bisher erworbenen Wortschatz, vorzubereiten. Die Unterrichtsangebote konsequent auf die Lernmöglichkeiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler abzustimmen, war überaus anforderungsreich und erforderte vielschichtige Überlegungen. Ich bin aber der Überzeugung, dass solche individuellen Vorbereitungen essentiell für den erfolgreichen Unterricht und einen nachhaltigen Lernerfolg sind.»

Schule Glarus als Gast in unseren Katalogen

Die Schule Glarus ist Partner in unserer Katalogserie der Jahre 2019 und 2020. Sie begegnen darum immer wieder Gesichtern von Kindern der Schule Glarus. In verschiedenen redaktionellen Beiträgen bringen wir Ihnen Glarus ein wenig näher.

 

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