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Nachhaltig gestalten, kreativ wachsen – 58 Jahre gebündelte TTG-Leidenschaft

Aus einem ursprünglich nur als Stellvertretung geplantem Einsatz wurde eine jahrzehntelange Freundschaft: Sonja und Trix begeistern als Lehrerinnen mit ihren kreativen Ideen die Schülerinnen und Schüler im Zyklus 2 in Kehrsatz. Sonja liess sich vor ihrer Laufbahn als Lehrerin zur Damenschneiderin ausbilden und besuchte das Handarbeitslehrerinnenseminar. Wenn sie nicht vor der Klasse steht, arbeitet sie in ihrem eigenen Atelier und Laden. Trix hat ihre Ausbildung am Haushaltungslehrerinnenseminar absolviert. Früher unterrichtete sie nebst dem TTG auch Sport und Schwimmen. Sonja und Trix arbeiten eng zusammen und beleuchten Themen von allen Seiten – so nehmen die Kinder aus ihrem Unterricht nicht nur selbstgemachte T-Shirts und langlebige Chromebookhüllen mit nach Hause, sondern auch Werte wie Nachhaltigkeit und bewusstes Konsumverhalten und feinmotorische Fähigkeiten, die ihnen weit über die obligatorische Schulzeit hinaus von Nutzen sein werden. .

Sonja, Trix, ihr seid beide seit vielen Jahren in Kehrsatz tätig. Erinnert ihr euch noch an die allerersten Lektionen als Lehrerin?

Trix: Das ist lange her; ich erinnere mich nur noch wage an damals. Ich weiss aber noch, dass ich aufgestellte und interessierte Kinder in meiner Klasse hatte und die Eltern sehr hilfsbereit waren.

Sonja: Damals waren aufwendige und anspruchsvolle Arbeiten noch möglich und Unterrichtsstörungen gab es nur selten.

Und was war euer erster Eindruck voneinander?

Trix: Sonja bewarb sich als meine Stellvertreterin, da ich in den Mutterschaftsurlaub ging. Beim Bewerbungsgespräch machte Sonja auf mich einen sehr sympathischen, vertrauenswürdigen, kompetenten und flexiblen Eindruck. Sie hat den Laden in meiner Abwesenheit super geschmissen! Ich bewundere auch heute noch ihr grosses Fachwissen, ihre effiziente Arbeitsweise, ihre Geduld und Hilfsbereitschaft. Sonja hat immer ein offenes Ohr für mich – ohne sie wäre ich heute vielleicht gar nicht mehr in Kehrsatz.

Sonja: Bei der Übergabe der Stellvertretung habe ich Trix als sehr herzliche und verständnisvolle Kollegin erlebt. Für den Einstieg ins Berufsleben war das sehr hilfreich. Unsere Zusammenarbeit ist für mich bis heute ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit; Trix ist für mich eine wichtige Bezugsperson.

Ihr habt beide ursprünglich ganz andere Ausbildungen gemacht – Schneiderin, Haushaltslehrerin. Was hat euch ins Textil- und Werkzimmer geführt?

Sonja: Mich hat die Abwechslung des Berufs angesprochen und ich wollte mit Kindern arbeiten.

Trix: Während meines Abschlusspraktikums hatte ich mit fünf verschiedenen Klassen Hauswirtschaftsunterricht. Am Ende hing mir das Fach zum Hals heraus. Bei der Stellensuche konzentrierte ich mich deshalb auf TTG-Lektionen.

Was fasziniert euch persönlich am TTG-Unterricht bis heute am meisten?

Uns begeistert, dass sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch wir etwas Praktisches für das Leben lernen und feinmotorische Fähigkeiten gefördert werden. Der Unterricht ist abwechslungsreich, vielseitig und kreativ. Am Ende gibt es ein fertiges Kunstwerk, das die Kinder mitnehmen dürfen – das erfüllt sie mit Stolz.

Welche Zutaten braucht es für eine gute TTG-Lehrperson?

Es braucht eine ausgewogene Mischung an Fachkompetenz, Flexibilität, Geduld, Ruhe, die Fähigkeit zum Multitasking, Humor, Motivation, Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Organisationstalent und es sollte gelingen, ein angenehmes Lernklima zu schaffen.

Ihr arbeitet eng zusammen und stimmt Themen über die Parallelklassen hinweg aufeinander ab. Was bringt diese Zusammenarbeit – für euch und für die Schülerinnen und Schüler?

Die Zusammenarbeit gibt uns Sicherheit, da wir die gleichen klaren Strukturen, Regeln, Methoden und Zielsetzungen einsetzen und verfolgen. Wir sind uns gegenseitig Vorbild für soziale Kompetenzen und ein stimmiges Lernumfeld. Dass wir gemeinsam vorbereiten, führt zu besonders kreativen Unterrichtseinheiten mit hoher Qualität.

Könnt ihr ein Beispiel geben, wie ihr ein Projekt von mehreren Seiten beleuchtet?

Mit der 6. Klasse gestalten wir jeweils ein eigenes T-Shirt. Dabei stehen Themen wie faire Produktion und Nachhaltigkeit im Zentrum. Wir beschäftigen uns mit dem eigenen Konsumverhalten und beleuchten, welche Rohstoffe es für die Herstellung von Kleidung braucht. Die Schülerinnen und Schüler lernen, ein Schnittmuster herzustellen, ein T-Shirt zu nähen und zu bedrucken. Die fertigen T-Shirts werden am Schluss im Rahmen eines Vortrags präsentiert.

Das Wahlfach ist sehr beliebt – woran liegt das eurer Meinung nach?

Im Wahlfach stellen wir tolle, grössere Objekte wie Hoodies, Taschen und Sitzgelegenheiten her – die Projekte sind bereits schulhausbekannt. Wir vermitteln unser Wissen mit viel Motivation und Freude und stärken das Selbstwertgefühl der Kinder.

Welche Kompetenzen erwerben die Kinder im TTG, die sie in keinem anderen Fach auf diese Weise erwerben?

Aus unserer Erfahrung können wir sagen, es ist ein ganzer Blumenstrauss an Fähigkeiten! Die Kinder trainieren ihr Zeitmanagement und das ganzheitliche Denken. Sie planen mit Kopf, Herz und Hand, lassen ihre Kreativität aufblühen und verbessern ihre Feinmotorik. Weiter üben sie sich in Konzentration, Geduld und Durchhaltevermögen und auch die Frustrationstoleranz wird gefordert, da nicht immer alles auf Anhieb klappt. Die Kinder helfen sich gegenseitig, was das soziale Miteinander stärkt – über den TTG-Unterricht hinaus.

Würdet ihr sagen, dass TTG heute sogar wichtiger ist als früher?

Ja, es ist wichtiger denn je, dass wir die Kinder auf Themen wie Nachhaltigkeit und Konsumverhalten sensibilisieren. Wir beobachten zudem, dass die Fein- und Grobmotorik abgenommen haben. Im TTG gewinnen die Kinder diese wichtigen Fähigkeiten zurück.

Sonja, du arbeitest nebst der Schule auch in deinem eigenen Atelier und Laden. Wie beeinflusst diese Tätigkeit deinen Unterricht – und umgekehrt?

In meinem Atelier ist manchmal auch viel los, aber der Ausgleich zum Schulzimmer ist sehr wichtig. Ich kann dort Energie tanken für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Die Arbeit mit den Erwachsenen ist auch anspruchsvoll, aber sie sind alle sehr motiviert und begeisterungsfähig.

Trix, du hast früher auch Sport und Schwimmen unterrichtet. Gibt es etwas, was du aus dieser Zeit mitgenommen hast, das dich immer noch begleitet?

In diesen Fächern sind eine gute Planung und Organisation sehr wichtig! Die meisten Schülerinnen und Schüler kommen sehr gerne in diesen praktischen Unterricht. Ich habe stets mitgemacht – auch wenn das bedeutet hat, bereits um 7:30 Uhr ins kalte Wasser zu steigen. Das hat die Kinder zusätzlich motiviert.

Im November steht eine Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit an. Was ist eure Rolle dabei und worauf freut ihr euch besonders?

Wir wollen gemeinsam als Schule kreativ sein, den Schülerinnen und Schülern eine Vielfalt von Angeboten bieten und dabei ihr Bewusstsein fördern. Wir freuen uns darauf, ausserhalb des gewohnten Lernumfeldes mit einer durchmischten Altersgruppe (3. bis 6. Klasse) Erfahrungen sammeln zu dürfen.

Wenn ihr in die Zukunft blickt: Was wünscht ihr euch für das Fach TTG?

Wir wünschen uns vor allem Anerkennung für die kreative Förderung. Dazu gehört auch, dass weiterhin gute Lehrmittel entwickelt werden und es keine weiteren Sparmassnahmen gibt, bei denen Lektionen gekürzt werden. Wir wünschen uns, dass wieder mehr Kinder in ihrer Freizeit praktische Ideen umsetzen und weniger digitale Medien konsumieren.

Gibt es etwas, was ihr unbedingt noch mit einer Klasse umsetzen wollt?

Was mit unseren Klassen möglich ist, setzen wir bereits um. Manchmal wäre es spannend, ganz offene Projekte auszuprobieren – diese sind jedoch aus organisatorischen und finanziellen Gründen nur schwer umsetzbar.

Gab es in eurer Laufbahn einen Moment, der euch bis heute das Herz wärmt – und den ihr nie vergessen werdet?

Trix: Kürzlich kam ich um 7:15 Uhr ins TTG-Zimmer und alle Schülerinnen und Schüler sassen bereits still und fleissig an ihren Arbeiten. Sie hatten sich ins Schulhaus geschlichen, um vor Unterrichtsbeginn an ihren Projekten arbeiten zu können.

Sonja: Ich hatte einmal einen Schüler mit wenig Selbstvertrauen, der sich oft negativ zu seinem Können äusserte. Ich erinnere mich an eine Situation, in der er an der Nähmaschine nähte und plötzlich voller Begeisterung und Erstaunen aufsprang und sich riesig über die gelungene Naht freute.