Vielseitige Druckverfahren für jede Altersstufe
In unserer Rubrik «Tipps & Tricks» präsentieren wir Ihnen wertvolle Ideen und Produkte, die Ihnen das Unterrichten erleichtern.
Drucktechniken gehören zu den spannendsten Gestaltungsmöglichkeiten im Bildnerischen, Textilen oder Technischen Gestalten. Kinder und Jugendliche erleben sehr direkt, wie sich eine Idee durch Farbe, Druck und Material in ein Bild verwandelt. Oft entstehen überraschende Effekte, die zum Weiterarbeiten motivieren. Ein wichtiges Detail beim Drucken: Buchstaben müssen jeweils spiegelverkehrt auf den Druckträger gezeichnet werden.
Die Unterscheidung in Hoch- und Tiefdruck
Bevor wir verschiedene Verfahren vorstellen, lohnt sich ein kurzer Blick auf zwei grundlegende Begriffe: Hochdruck und Tiefdruck. Beim Hochdruck liegen die zu druckenden Stellen erhöht auf der Druckform. Alles, was oben steht, nimmt die Farbe an und wird wie ein Stempel auf eine Unterlage gedruckt. Beim Tiefdruck ist es genau umgekehrt: Die zu druckenden Stellen liegen vertieft in der Platte. Dabei wird die Druckplatte eingefärbt, die Oberfläche nimmt die Farbe an, und die eingedrückten Linien bleiben später weiss. Für jüngere Kinder ist dieses Prinzip oft einfacher, weil nur wenig Material eingedrückt wird und das Motiv nicht ausgeschnitten werden muss.
Schnurdruck – experimentell oder als Stempel
Der Schnurdruck ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt des Drucks, weil er ohne grossen Aufwand auskommt und den Kindern schnelle Erfolgserlebnisse bietet.
Variante 1: Der klassische Zieh-Druck
Ein eingefärbter Faden wird zwischen zwei Papierhälften gelegt. Beim Zusammenklappen und Herausziehen entstehen organische Formen, die an Pflanzen erinnern. Der Überraschungseffekt ist garantiert.
Variante 2: Schnur als Relief-Stempel
Für wiederholbare Motive kann die Schnur mit Bastel- oder Heisskleber auf einen Kartonträger geklebt werden. Hier eignen sich einfache geometrische Formen. So entsteht ein einfacher Hochdruckstempel, der klarere und kontrollierbare Drucke ermöglicht.
| Vorteile | Nachteile |
| minimaler Materialaufwand | Zieh-Druck ist wenig kontrollierbar |
| ideal für Experimente und Muster | Heisskleber-Stempel halten nur begrenzt lange |
| sehr schnell umsetzbar | |
| für junge Kinder geeignet |
Moosgummi-Druck – vielseitig und leicht zu bearbeiten
Moosgummi eignet sich hervorragend für den Unterricht, da es flexibel, preiswert und schnell einsetzbar ist. Besonders praktisch: Es gibt zwei unterschiedliche Herangehensweisen.
Variante 1: Formen schneiden und kleben
Formen werden ausgeschnitten und auf Karton geklebt. So entstehen kleine Hochdruckplatten, die ideal für Muster, Logos und klare Konturen sind.
Variante 2: Moosgummi einritzen – ähnlich dem Polyblock
Mit stumpfen Werkzeugen wie Kugelschreibern, Holzstäben oder Pinselenden lassen sich Linien direkt in die Moosgummiplatte drücken. Die eingedrückten Bereiche drucken später nicht. Dadurch können Kinder sehr grafisch arbeiten, ohne schneiden zu müssen.
| Vorteile | Nachteile |
| sehr leicht zu bearbeiten | feine Details begrenzt möglich |
| zwei unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten | Druckplatten nutzen sich schneller ab |
| ideal für Wiederholungsmuster | |
| kombinierbar (z. B. ausgeschnittene Formen + eingeritzte Details) | |
| Auch grossflächige Drucke möglich |
Stampy-Stempel & Stampyliner – flexibel und spannend
Stampy-Stempel bieten eine hervorragende Möglichkeit, eigene Stempel ohne Schneidewerkzeuge zu gestalten. Es gibt zwei Herstellungsvarianten:
Variante 1: Struktur durch Erwärmen übernehmen
Die Stampy-Platte wird kurz auf einer heissen Herd- oder Bügeleisenplatte erwärmt und anschliessend auf eine strukturierte Oberfläche gedrückt (Holzrosette, Relief, Alltagsgegenstand). Die Struktur überträgt sich direkt auf den Stempel und ist sofort einsetzbar.
Variante 2: Linienauftrag mit dem Stampyliner
Ein Motiv wird auf die Stempelfläche gezeichnet und mit dem Stampyliner nachgezogen. Die aufgetragenen Linien trocknen halbrund erhaben auf, sodass ein klarer Konturenstempel entsteht. Die Konturen lassen sich später wieder entfernen und der Stempel kann neu gestaltet werden.
| Vorteile | Nachteile |
| individuelle Stempel ohne Schneiden | Variante 1 erfordert Aufsicht beim Erhitzen |
| sehr gute Kontrolle über Linien und Motive | Trocknungszeit bei Variante 2 (ca. 60 min) |
| wiederverwendbar | Grösse des Stempels ist auf 8 x 6 cm begrenzt |
Polyblock (Weichpolystyrol) – sauber, schnell, kindgerecht
Beim Polyblock wird das Motiv mit stumpfen Werkzeugen in die weiche Platte eingedrückt. Die Vertiefungen nehmen später keine Farbe an. Ein einfacher, sehr zugänglicher Tiefdruck, der bereits für Kindergartenkinder geeignet ist.
| Vorteile | Nachteile |
| sehr leicht zu bearbeiten | Druckplatten sind empfindlich |
| intuitive Nutzung ohne Schneiden | keine sehr feinen Details |
| sauber und schnell |
Adigraf – die sanftere Alternative zum Linolschnitt
Adigraf-Platten sind eine moderne Kunststoffvariante, die sich deutlich leichter schneiden lässt als klassisches Linoleum. Dadurch eignen sie sich gut für jüngere Gruppen oder für Klassen, die zum ersten Mal mit Messern arbeiten.
| Vorteile | Nachteile |
| weich und leicht zu schneiden | Schneidewerkzeug notwendig |
| klare, saubere Druckergebnisse | etwas höhere Materialkosten |
| langlebiger als Moosgummi oder Polyblock | erst ab der 4. Klasse geeignet |
| Verletzungsgefahr vorhanden |
Linoldruck – der Klassiker für die Mittel- und Oberstufe
Beim Linoldruck werden Linien und Flächen mit Linolmessern herausgeschnitten. Diese traditionelle Technik erfordert ein hohes Mass an Konzentration und Genauigkeit und führt oft zu sehr professionellen Ergebnissen.
| Vorteile | Nachteile |
| klare, grafisch starke Drucke | Verletzungsgefahr bei unsachgemässer Handhabung |
| fördert präzises Arbeiten | zeitintensiver |
| sehr langlebige Druckplatten | eher für ältere Schülerinnen und Schüler geeignet |
Fazit: Von spielerisch bis anspruchsvoll – Drucktechniken für alle Altersstufen
Druckverfahren eröffnen einen weiten Raum für Kreativität im Unterricht. Die Bandbreite reicht vom spontanen Schnur-Experiment bis zum kunstvollen Linoldruck. Je nach Alter und Lernziel können Lehrpersonen gezielt auswählen: experimentell, schnell, wiederholbar oder präzise. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, verschiedene Techniken miteinander zu kombinieren und so im Klassenzimmer eine kleine Druckwerkstatt entstehen zu lassen.